ZEIT ONLINE" Buchtipp

Was auf den ersten Blick wie einer der üblichen Dorf-Krimis aussieht, entpuppt sich beim Lesen als Milieustudie voller Hintersinn und Aberwitz. 

Ein spannend geschriebener und wortgewaltig erzählter Roman.



Erhältlich unter der 

ISBN Nummer 978-3-86858-870-5

im Buchhandel oder direkt bei Shaker-Media                                 www.shaker-media.de

198 Seiten  

Auch als E-Book


Carla, eine junge Juristin, tritt ihre erste Stelle als Anwältin in der Provinz an.

Sie hat der Großstadt den Rücken gekehrt, um ihre Vorstellung von einem Leben in der Natur zu verwirklichen.

In ihrer Vermieterin Dorothea findet sie schnell eine seelenverwandte Freundin.

Grauenvolle Morde geschehen während ihres Aufenthaltes in dem idyllischen Dorf. Ungewollt werden Carla  und Dorothea zum Mittelpunkt der Geschehnisse.

Unterschwellige und längst vergessen geglaubte Ereignisse kommen an die Oberfläche und ziehen das Dorf und seine Bewohner in einen Strudel menschlicher Abgründe.



Leseprobe

In der darauf folgenden Nacht wurde Carla durch ein heftiges Klopfen an ihrer Tür aus dem Schlaf geholt. Es war drei Uhr nachts.
„Bitte, mach auf, ich muss dich sprechen“, war Dorotheas Stimme zu vernehmen.
Mit einem Sprung war Carla auf den Beinen und ließ sie herein.

„Ich habe kein Auge zugetan“, erklärte sie ihr ungewöhnliches Verhalten. „Ich mache mir Vorwürfe, mich nicht früher und intensiver mit meinem vermeintlichen Erlebnis beschäftigt zu haben. Ich war zwar damals erst vier Jahre alt, aber wahrscheinlicher ist, dass ich das Geschehnis verdrängen wollte.
Ich weiß jetzt, dass wir zu Dritt in einer Scheune spielten, was uns verboten war. Es war draußen drückend heiß, und wir Drei wähnten uns unbeobachtet, denn bei dieser Hitze würde niemand arbeiten, nahmen wir an. Der Albert war zwei Jahre älter als ich und deshalb ein geeigneter Spielkamerad für mich. Der andere Junge war viel größer als wir, also gehe ich davon aus, dass er auch älter war.

So sehr ich versuche, mir diese Szene ins Gedächtnis zu rufen, es gelingt wir nur zum Teil. Ich entsinne mich, dass ein Gerät oder Gestell mitten im Raum stand und dass mich das sehr ängstigte.
Ich kann dir nicht mal sagen, um welche Scheune es sich handelte. Für ein Kind sieht eine wie die andere aus.
Wäre mir das früher eingefallen, hätte ich zu Albert gehen und ihn fragen können. Warum erinnere ich mich erst jetzt daran?“, rief Dorothea ungehalten aus.

„Mach dir keine Vorwürfe. Vielleicht hat erst der Unfalltod von Herrn Pinselknecht diese Erinnerungslücke geschlossen.“
„Ich hoffe, du hast Recht“, sagte Dorothea noch immer zweifelnd an Carlas Argumenten.
„Ich werde Erika, seine Witwe, aufsuchen. Es wäre doch möglich, dass er sich seiner Frau anvertraut und von dem damaligen Erlebnis berichtet hat.“

„Ist es nicht unpassend, sie kurz nach dem Tod ihres Mannes mit deinen Fragen zu behelligen?“, fragte Carla sich wundernd über Dorotheas Vorhaben.
„Ich glaube nicht, dass die Erika sehr trauert. Vor einigen Jahren hatte sie einen Geliebten aus dem Nachbarort. Ungeniert lebte sie zwei Jahre mit ihm in seinem Haus. Dann ging sie wieder zu ihrem Mann zurück, der Kinder wegen, so hieß es.
Ich nehme an, es waren finanzielle Erwägungen, die sie dazu bewogen haben. Bei einer Scheidung hätte sie Nachteile gehabt. Es heißt, dass das Liebesverhältnis bis heute heimlich fortgesetzt wird. Mit anderen Worten, ihre Trauer wird sich in Grenzen halten.




BASALT - Eine Erzählung von der Höh



Erhältlich bei Amazon, als Kindle eBook


Basalt erzählt über eine Zeitspanne von 200 Jahren von dem Leben der Bewohner auf der Rößler-Höh.

Die Schicksale sind eng mit der jeweiligen Epoche verbunden und verwerfliche Verfehlungen und löbliche Tugenden liegen dicht beieinander.

Die Familien glauben sich eingebettet in einer Sicherheit vermittelnden  Dorfgemeinschaft und sind doch nur gefangen in den engen Maschen der ungeschriebenen Gesetze und überlieferten Traditionen.

Das stumme Haus ist der Hort des tragischen Verlaufes des Geschehens.

Neid, Intoleranz und Eigennutz sind aktuell wie eh und je, genauso wie das Streben nach Erfüllung und nach der alles überwindenden Liebe.


Leseprobe

Vor 300 Jahren zogen drei Brüder mit ihren Frauen und Kindern, ihrem Vieh, ihrem Hab und Gut hoch hinauf auf die Anhöhe. Sie waren alle vom selben Stamm, ihr Name war Rößler und seitdem heißt der Ort auf der Höh die Rößler Höh.

Was nun das Hab und Gut angeht, so war es eher ein Sack und ein Pack, zu wenig, um es Haben und zu schlecht um es Gut zu nennen. Noch Jahrzehnte später haben sich die Ansässigen den Kopf darüber zerbrochen, warum sie ausgerechnet in diese einsame, unwegsame Gegend gezogen sind.

Die einen sagten dies, die anderen sagten das. War es der Wunsch, ganz unter sich zu bleiben? Die drei Brüder sollen, so ist es immer wieder erzählt worden, von unansehnlicher, sagen wir missgestalteter Statur gewesen sein.

Der Jüngste, dessen Namen man noch weiß, hieß Otto. Er war sehr klein und kompakt, man könnte ihn vierschrötig nennen, aber Muskeln wie ein Stier mit einem riesengroßen Kopf, auf dem schon in ganz jungen Jahren keine Haare mehr wuchsen. Es wurde gemunkelt, das käme daher, dass er ein Wechselbalg gewesen sei.

Der Älteste zeichnete sich dadurch aus, dass er kaum sprach. Vielleicht war es ein Sprachfehler oder es fielen ihm einfach nie die richtigen Worte ein. Ab und zu ein paar Sätze, meistens in der Gegenwartsform, das war es auch schon. Was sein Äußeres anbetraf, war er das ganze Gegenteil von seinem jüngsten Bruder, lang und hager, mit buschigen Augenbrauen und Haaren auf dem Kopf, die direkt über den Augen zu wachsen begannen, schwarzen Haaren.

Über den Mittleren gab es nicht viel zu sagen, er war in allem nur Durchschnitt, eben Mittelmaß. Das einzige, das man mit seinem Namen verband, war seine Frau. Sie soll so hässlich gewesen sein, dass jedermann erschrak, wenn er sie unvermittelt zu Gesicht bekam. Schwangeren Frauen wurde sogar abgeraten, sie sich näher anzuschauen, es könnten sonst die Wehen zu früh einsetzen. Es war die Nase, so höckrig und krumm, die zusammen mit den dicht beieinander stehenden Augen das Bild eines garstigen Raubvogels vermittelte.

Aber es ist doch wohl abwegig zu glauben, dass das allein der Grund für diese Einsiedelei war. Schließlich waren auch andere Dörfler nicht mit makelloser Schönheit gesegnet. Wozu sollte die auch gut sein? Es vererbten sich nur die Gene, die das Überleben sicherten. Das waren kräftige Muskeln, ein stabiler Rücken und starke Hände, alles Voraussetzungen, um den harten Kampf ums Überleben zu bestreiten. Ein Essen, das satt macht, eine weiche Bettstatt, das waren die wahren Güter und wer das garantierte, war gefragt, für Schönheit konnte man sich nichts kaufen.

Also war es wohl das andere Gerücht, das man sich nur hinter vorgehaltener Hand erzählte und auch dann nur, wenn man ganz sicher war, dass der Zuhörer auch wirklich ein Eingeweihter war. Fremden hätte man das niemals erzählt.